Werder möchte Stadionverbote durchsetzen

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Erstellt am Montag, 10. November 2008

Werder möchte Stadionverbote durchsetzen


BOCHUM·BREMEN (XST). Dieter Zeiffer war gestern Werders gefragtester Mann. Drei
Fernsehsender haben den Fanbeauftragten interviewt. Jeder wollte wissen, was genau am
Sonnabend in Bochum im Bremer Fanblock passiert war, als die Polizei vorübergehend sechs
Neonazis in Gewahrsam nahm.
Die Gruppe hatte nach Spielende versucht, ein rund 2,50 mal ein Meter großes Transparent
auszurollen. Darauf war nicht wie zunächst vermutet die Reichskriegsflagge zu sehen,
sondern die Aufschrift "NS-HB Sport frei". Die steht für "Nordsturm Hansestadt Bremen",
eine rechtsextreme Hooligan-Gruppe. Doch die übrigen Fans im Gästeblock verhinderten das.
Sie gingen auf die Neonazis los. Wer zu diesem Zeitpunkt noch im Stadion war - ob
Anhänger der Bremer oder der Bochumer - brüllte "Nazis raus". "Die Fans haben
Zivilcourage gezeigt. Darauf sind wir stolz", sagt Zeiffer.
Einen Zusammenstoß mit den Rechtsextremen verhinderte die Polizei. Sie marschierte in den
Block und nahm die sechs Neonazis in Gewahrsam. "Die Polizei musste dazwischen gehen",
meint Zeiffer. Die Fans hätten sonst die Hooligans attackiert. Laut Zeiffer war die Polizei
bereits während des Spiels auf die Glatzenträger aufmerksam geworden. Sie hielt sie unter
Beobachtung und konnte deshalb auch so schnell eingreifen.
Werder sind die Neonazis bekannt. Nach Informationen unserer Zeitung zählt einer von ihnen
zu den Hauptverdächtigen des Ostkurvensaal-Überfalls im Januar 2007. Er ist nicht nur
Mitglied des "Nordsturms", sondern offenbar auch des Fanclubs "Inferno". In seiner
vorletzten Stadionzeitung beglückwünscht Werder den Fanclub zum zehnjährigen Bestehen.
Auf dem Foto dazu ist auch der Hooligan zu sehen. "Die Männer sind uns nicht zum ersten
Mal aufgefallen, hatten aber zum ersten Mal ein Transparent dabei", erklärt Zeiffer. Deshalb
haben Verband und Verein nun etwas in der Hand, um Stadionverbote aussprechen zu
können.
Die weitere Vorgehensweise sieht wie folgt aus: Heute setzt man sich bei Werder zusammen,
um die internen Konsequenzen zu besprechen. Nach Angaben von Mediendirektor Tino
Polster möchte der Verein in Bremen ein Hausverbot für die "Nordsturm"-Mitglieder
aussprechen. Ein bundesweites Stadionverbot kann aber nur der Verein beantragen, in dessen
Arena der Zwischenfall passierte. Mit einer Stellungnahme des VfL Bochum und der Polizei
rechnet man aber auch bis heute. Werder und auch der DFB haben sich bereits für ein
bundesweites Stadionverbot ausgesprochen. "Man muss solche Chaoten in ihre Grenzen
weisen", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger. Er möchte sich außerdem bei den Bremer
Fans für ihre Zivilcourage bedanken. "Wir wollen demnächst bei einem Treffen mit den Fans
ein sichtbares Zeichen der Anerkennung zum Ausdruck bringen", sagte Zwanziger.
Bereits heute Abend findet im Bremer Rathaus ab 20.30 Uhr eine Diskussion mit
Innensenator Ulrich Mäurer und Werder-Kapitän Frank Baumann statt. Ihr Titel:
"Rechtsextreme Bedrohung im Weserstadion".
Die sechs Neonazis wurden noch am Sonnabend von der Polizei nach Bremen
zurückgeschickt. Die hatte sie nur befragt und ihre Personalien aufgenommen. "Es lag kein
Straftatbestand vor", erklärte Einsatzleiter Ulrich Grzella. Auch ihr Transparent durften sie
wieder mitnehmen. Wie sie es in den Fanblock hineinschmuggeln konnten, war auch Dieter
Zeiffer ein Rätsel.

Datum: 10.11.2008
Quelle: Weser-Kurier


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