Keine rechten Klamotten im Weserstadion

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Erstellt am Montag, 24. August 2009

Keine rechten Klamotten im Weserstadion

Von Maik Maerten
Bremen. Bei Werder Bremen positionieren sich sowohl der Verein als auch die Fans eindeutig gegen Rechts. „Der Verein geht mit solchen Themen offen um“, sagt Manfred Rutkowski vom Fan-Projekt Bremen, das seinen Teil zur Aufklärungsarbeit beiträgt.

Aufsuchende Jugendarbeit mache das Fan-Projekt, sagt Manfred Rutkowski. „Das bedeutet ganz einfach: Wir gehen dahin, wo die Jugendlichen sind.“ Und beim Fußball ist das hauptsächlich das Stadion. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ist dabei nur ein Themenbereich, den Rutkowski und seine Kollegen beackern, aber ein wichtiger. Und dabei können sie auf engagierte Unterstützung der Werder-Fans zählen.

„Wir wollen Jugendliche für das Thema sensibilisieren.“ Eine der Aktionen trägt den Namen „Weißt du, was du trägst?“ Damit will das Fan-Projekt auf die vielen Kleidungsmarken mit Verbindungen zur rechten Szene aufmerksam machen. Um die Frage gleich zu beantworten: „Das ist eher rhetorisch gemeint. Die einschlägigen Marken gibt es ja nicht in jedem Laden, man muss sich informieren, wo man diese Klamotten herbekommt. Wer Thor Steinar trägt, weiß auch, was dahinter steckt“, so Rutkowski.In den vergangenen Jahren habe es in dieser Sparte einen richtigen Boom gegeben, sagt Rutkowski. „Damit wird mittlerweile richtig Geld verdient.“ Im Weserstadion sind all diese Klamotten und die dazugehörigen Symbole verboten. So steht es in der Stadionordnung.

"Die rechte Szene ist mittlerweile sehr kreativ"

Dabei geht es nicht um sowieso verbotene Symbole wie Hakenkreuze oder SS-Runen. „Die rechte Szene ist mittlerweile sehr kreativ darin, nicht verbotene Zeichen und Symbole so zu nutzen, dass jeder gleich die gewünschte Assoziation macht.“ So steht dann die die 8 für den achten Buchstaben des Alphabets, das „h“ und die 88 für den Hitlergruß. Im Namen der Kleidungsmarke "Consdaple" versteckt sich der Name der nationalsozialistischen Partei und in anderen Fußballstadien sind auch schon rote Flaggen mit weißem Kreis gesehen worden, das strafbare Hakenkreuz einfach weggelassen.

„Solche Symbole sind Wiedererkennungszeichen. Die teilen Gleichgesinnten mit, dass man dazu gehört“, sagt Rutkowski. Zusammengehörigkeit: Darin ähneln die rechten Klamotten den Fußballtrikots. Das Gemeinschaftsgefühl ist wichtig in der rechten Szene, wie auch bei Fußballfans. Umso wichtiger, dass sich die Werder-Fans und auch der Verein eindeutig positionieren.

"Viele Werder-Fans sind bei diesem Thema sehr engagiert“, erzählt der Sozialarbeiter. Gerade die Ultras stünden hinter vielen Fanprojekten, die fast alle im Ostkurvensaal des Weserstadions zusammenlaufen. In der Antirassismusgruppe, die sich dort regelmäßig trifft, engagieren sich Fans seit eineinhalb Jahren. Sie verkaufen bedruckte T-Shirts und Poster - mittlerweile nicht nur an Werder-Fans, sondern nach ganz Deutschland -, organisieren Infoveranstaltungen und Diskussionsrunden und achten auch selbst auf die Einhaltung der Stadionordnung, wie Rutkowski im Video-Interview sagte.

"Beifall von der falschen Seite brauchen wir nicht"

„Beifall von der falschen Seite brauchen wir nicht“, fasst Rutkowski die Haltung des Vereins kurz zusammen. Da ist sich der Verein mit den Fans und dem Fan-Projekt einig. Warum aber bleibt der Fußball trotzdem für die rechte Szene weiterhin ein attraktiver Sport? „Fußball ist eine traditionell männliche und sehr körperliche Sportart“, erläutert Sozialarbeiter Rutkowski. Allerdings sei der Grund auch nicht beim Sport allein, sondern auch in der Zusammensetzung der Anhängerschaft zu suchen. „Die meisten Fußballfans sind immer noch zwischen 20 und 30 Jahre alt und männlich.“ Und eben aus dieser Bevölkerungsgruppe setze sich auch der Großteil der rechten Klientel zusammen.

Rutkowski sieht die Situation allerdings gelassen: „Das Problem wird hier nicht klein geredet. Aber wenn solche Leute an den Rand gedrängt werden, ist das wohl der beste Schutz.“

Datum: 24.08.2009
Quelle: http://www.weser-kurier.de/Artikel/Werd ... adion.html


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